
Dann geht es bei starkem Gegenwind und gelegentlichem Regen auf der vielbefahrenen Ausfallstraße durch endlose Vorstädte in Richtung Zentrum. Inmitten einer Häuserzeile finden wir unsere heutige Pilgerherberge bei den Dominikanerinnen von Bethanien, einer kleinen Kongregation von sechs Ordensschwestern, die sich in diesem Problemviertel um die Armen, Alten und Ausgegrenzten kümmernund versuchen, zu helfen. Wir werden freundlich empfangen und beziehen ein schönes Wohn-/Schlafzimmer.
Um die Mittagszeit machen wir uns auf ins Zentrum. Die Stadt wimmelt bereits von den schrägen Typen der Wave Gothics in ihren schwarzen Klamotten. Über Pfingsten werden über 20.000 erwartet! Wir essen in der alten Nicolaischule gegenüber der gleichnamigen, berühmt gewordenen Kirche, bummeln noch etwas und kehren in unser Refugium zurück, um meine lädierten Knie zu schonen. Mit den Schwestern beten und singen wir die Laudes; der Tag klingt aus.
29.5. 2009 (Els) Leipzig – Kleinliebenau 20 km. Und um halb acht (gefrühstückt, Rucksäcke sind gepackt) sitzen wir zur Non mit fünf Schwestern in der Hauskapelle: wir singen und beten, dann geht die Tür des Esszimmers auf: der Frühstückstisch ist für uns alle gedeckt!

Heute soll die Herberge eingeweiht werden!). Wir stärken uns in der Domholzschänke, und da kommen Siegfried, der Kapitän, mit seiner Frau Ernestine, um uns zu begrüßen. Große Wiedersehensfreude! Um Punkt 16 Uhr erreichen wir Kleinliebenau. Wie schön ist die Pilgerherberge geworden! Küche, Dusche, zwei Toiletten im Erdgeschoss, und im Obergeschoss das „Matratzenlager“ – alles, was ein Pilger braucht. Es ist ein besonderes Gefühl, hierher zurückzukommen, die lieben, vertrauten Menschen zu sehen und mit Genugtuung zu erkennen, was aus unserem Bauordeneinsatz 2007 geworden ist. Ist es Zufall, dass wir im letzten Jahr genau an diesem Tag – dem Freitag vor Pfingsten – unseren Pilgerweg von unserer Heimatstadt Seligenstadt nach Santiago de Compostela abgeschlossen haben? […]
Erhard steht schon am Bierausschank und Wurstbräter und strahlt. Wir umarmen viele alte Bekannte. Der weltliche Teil des Fests nimmt seinen Lauf, das Bier strömt. Viele Menschen sprechen uns an, darunter mehrere Jakobspilger. Auch der frühere Superintendent Friedrich Magirius, der großen Einfluss auf die Montagsdemos in Leipzig hatte, Pfarrer Ulbricht und Dagmar Schlegel, eine besonders Aktive des Ökumenischen Pilgerwegs, sind gekommen. Eine Musikgruppe spielt irische Folkloremusik. Es herrscht eine tolle, fröhliche Stimmung. Müde ziehen wir uns in der Nacht auf unsere Matratzen zurück – wir haben einen Zimmergenossen, den Spanier Ramòn, einen Schnarcher par excellence!